Die Friedrich
Das älteste Glasmachergeschlecht der Welt?
1433 sind die Glasmacher Friedrich erstmals urkundlich greifbar. Eher als viele andere bedeutende Hüttenmeisterdynastien Mitteleuropas, etwa die mit ihnen verschwägerten Schürer von Waldheim oder die Preußler. Früher sind nur die Kunze (1366), die Kunkel und Wentzel (1406) belegt. Als die älteste Glasmacherfamilie überhaupt gelten die Barovier auf Murano bei Venedig. Lässt man aber auch archäologische Befunde gelten, dann blies schon um 1250 ein Friedrich Glas. In dem nach ihm als Lokator benannten Friedrichsdorf im nördlichsten Böhmen. Also 45 Jahre bevor Jacobellus Barovier mit seinem ersten Glasofen den Grundstein für die beispiellose Karriere seiner Familie legte.

Aber auch die Karriere der Friedrich war beispiellos. Die Friedrich waren Mitbegründer der nordböhmischen Glasindustrie und retteten deren Fortbestand über die Hussitenkämpfe und den Dreißigjährigen Krieg hinweg. Bis gegen Ende des 17. Jahrhunderts besaßen sie die Oberkreibitzer Glashütte und waren hier maßgeblich an der Einführung der Emailmalerei und an der Entdeckung des "Böhmischen Kristalls" beteiligt. Kurfürst Joachim Friedrich von Brandenburg und Kaiser Rudolf II. beriefen Martin (II.) Friedrich als den bedeutendsten Glasmeister seiner Zeit an ihre Hütten.

Von Oberkreibitz aus breiteten sich die wanderlustigen Friedrich in zahlreiche europäische Länder aus. In Schlesien, auf der Böhmisch-Mährischen Höhe, in Tirol, Steiermark und Slowenien sind ihre Hüttenmeisterdynastien aus der Glasgeschichte nicht mehr wegzudenken. Der künstlerischen Entwicklung Südböhmens gaben sie Ende des 16. Jahrhunderts entscheidende Impulse. Von Weißrussland bis Holstein, von Serbien bis Oberbayern fanden die Friedrich Arbeit als Glasmacher, Glasveredler oder Glashändler.

Dennoch gab es über diese Familie, die so geniale Nachfahren wie den Glaskünstler und Erfinder Friedrich Egermann oder den Südamerikaforscher Thaddäus Haenke hervorbrachte, bis heute keine zusammenfassende geschichtliche Darstellung!

Pokal aus marmoriertem Glas, Grimnitz 1602 (Grünes Gewölbe; mit freundl. Genehmigung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden)